Es fing alles damit an, dass Linda Katz aus Kansas nur eine Webseite für ihre Familie errichten wollte und nach einem passenden Domainnamen suchte. Schliesslich gab sie ihrer Internetseite den klingenden Namen "Prairie Tumbleweed Farm". Via Suchmaschinen entdeckten immer mehr Besucher die Webseite und schon bald flatterten Bestellungen für diese Tumbleweeds aus Alaska, Österreich, Großbritannien, Hong Kong, und sogar Indien ein.
Zwischen 20 und 35 US Dollar kosten diese Windstrohballen, die häufig an Lindas Farm vorbeifliegen. Das wirkliche Mehrwertleistung liegt darin, sie einzufangen, auf der Webseite zum Verkauf anzubieten und zu verschicken. Mittlerweile verkauft Linda ihre Tumbleweeds sogar an Filmstudios und hat aufgrund der großen Nachfrage aus Japan sogar eine japanische Internetseite eingerichtet. So einfach kann man schon im ersten Jahr 40,000 Dollar nebenbei verdienen!”
Wer jetzt noch behauptet, es gibt keine Ideen, die einem der Himmel oder besser gesagt der Wind schenkt, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Es ist schon faszinierend, wie das Internet auch der kleinsten Geschäftsnische in dieser Welt eine Chance gibt, auf sich aufmerksam und gute Geschäfte zu machen. Geht nicht, gibt´s nicht. Dem Long Tail sei Dank!
Was versteht man jetzt konkret unter den "Long Tail" (Rattenschwanz)? Chris Anderson, Chefredakteur des amerikanischen Magazins “Wired”, hat ein Buch mit gleichnamigen Titel geschrieben und ihn dadurch weltbekannt gemacht. Die Kernaussage lautet: Während man früher eher die Massenmärkte ansteuerte, um erfolgreich zu werden, muss man heute eher die lukrativen Nischen besetzen und kann das durch das Internet auch kostengünstig bewerkstelligen.
Der amerikanische Wissenschaftler Erik Brynjolfsson hat am Beispiel des Buchmarkts das Long-Tail-Phänomen untersucht. Demnach macht Amazon 40 % seines Umsatzes mit Büchern, die i.d.R. nicht im Regal eines Buchhändlers stehen. Während eine Buchhandlung 40.000 – 100.000 Bücher im Sortiment führt, hat Amazon 2,9 Mio. Bücher in den virtuellen Bücherregalen. Bei den Onlinevideotheken gibt es nach einer Untersuchung von Anderson ähnliche Ergebnisse: Netflix macht mit den Videos, die nicht in den stationären Videotheken angeboten werden, 21 % des Gesamtumsatzes.
Dass es sich bei "Long Tail" um einen nachhaltigen Trend handelt, beweist eine aktuelle Studie. Laut einem aktuellen Bericht der US-Fachzeitschrift "Internet Retailer" lag im Jahr 2006 das Wachstum kleiner Händler und Nischenanbieter (+29,9 %) zum ersten Mal über dem der Top-500-Onlinehändler (+ 21,3 %). Damit verringert sich der Umsatzanteil der Top 500 von 63 auf 61 Prozentpunkte.